Die Küche und Ich – Mein Eindringen in Feindesgebiet

„Ich mag kein Gemüse!“
„Igitt, ist das Schafskäse?“
„Sind da Rosinen drin?“
„Warum fahren wir nicht zum Mäci!“
„Ich hab schon Hunger, darf ich inzwischen etwas Naschen?“
„Kann ich schon kosten?“
„Wann ist es fertig?“
„Soll das wirklich so aussehen?“

So tönt es regelmäßig am Wochenende zur Mittagszeit aus unserer Küche. Und wenn mich dann mein Mann genervt aus der Küche verbannt hat, beginnen auch noch die Fragen und Nörgeleien der Kinder bezüglich des Essens …

Will man es wirklich allen in unserer Familie Recht machen, bräuchte man neben mindestens einem Hilfskoch auch eine größere Ansammlung von Pfannen, Töpfen, Mixer usw. – ganz zu schweigen von einem weiteren Herd! Einzig für unsere Tochter würde bei ihrer derzeitigen Essensmenge das Puppengeschirr zur Zubereitung reichen.

Gemüse ist bei uns generell nicht so beliebt. Wir sind ja alle Second-Hand-Vegetarier. Das heißt, wir essen nur Tiere, die sich ausschließlich von Pflanzen ernähren. Denn im Grunde kommen wir dann ja auch so zu unserer Gemüseration, oder? ;-).

Außerdem muss ich zugeben, dass ich nicht wirklich eine Hilfe in der Küche bin. Da ich diese auch nur sehr fallweise besuche, sind mir die vielen Schränke und Geräte nicht richtig bekannt. Aber dieser Raum ist ja auch ziemlich gefährlich. Überall scharfe Messer, harte Pfannen und dann auch noch diese Kochbücher, an dessen Seiten man sich äußerst unangenehme Schnitte an den Fingerkuppen zuziehen kann! Ein Selbstbedienungsmarkt für Masochisten!

Aus reinem Selbsterhaltungstrieb meide ich deshalb diesen Raum so gut es geht. Nur am Wochenende wage ich mich geschützt hinter meinem Mann in die Küche, um hin und wieder in die – zugegeben köstlichen Duft verströmenden – Töpfen und Pfannen zu linsen und ab und zu meine – laut Ansicht meines Mannes – unqualifizierten Kommentare abzugeben…

Ansonsten komme ich dank unserer gut geplanten Küche wochentags beinahe ohne ein Eindringen in Feindesgebiet aus. Denn aus dem Wohnzimmer kann ich fast mühelos ins Naschkästchen greifen und so ohne Gefahr kleine Hungerangriffe abwehren. Wenn es dann doch mal etwas Warmes sein muss, dann sind auch Mikrowelle, Backrohr und Tiefkühler in Reichweite – mein persönliches Bermuda-Dreieck. Allerdings verschwindet hier nichts, im Gegenteil, dieses Dreieck ist für die Ausdehnung der Haut an meinen Hüften verantwortlich! Und schuld sind vor allem die kleinen Heinzelmännchen, die öfter den Tiefkühler (oft auch mit selbstgemachten Speisen) nachfüllen!

Ich persönlich käme ja mit einer Mikrowelle, einem Tiefkühler und einem Backrohr locker aus. Käpt´n Iglo & Co würden sich da schon brav um mich kümmern. Ja, natürlich ist frisch gekocht besser, aber von jemand, dem schon das Wasser überkocht, sollte man sich da nicht allzu viel erwarten.

Ach ja, ein Geschirrspüler darf in einer Küche natürlich auch nicht fehlen, doch sogar für das Einräumen desselben bin ich – nach Ansicht meines Mannes – wenig geeignet. Während ich die Meinung vertrete, dass wirklich alles was ich in den Spüler stecke auch gespült wird (ich gebe ja in die Waschmaschine auch nicht die Socken rechts und die Hosen links), gibt es scheinbar einen geheimen Einräumplan, den nur Männer verstehen. Ich persönlich finde ja, dass man den Vorlieben des Geschirrs („Ich will nicht neben der Kaffeetasse stehen, die ist blöd“ oder „Neben dem großen Teller komme ich mir so klein vor“ usw.) nicht so viel Beachtung schenken sollte, aber bitte – was weiß ich schon.

Dafür achte ich darauf, nicht farbiges Geschirr mit rein weißem gemeinsam zu spülen – diese Erkenntnis hat mich meine Waschmaschine gelehrt, doch auch mit diesem Insider-Wissen konnte ich bei meinem Mann keinen Eindruck schinden. Im Gegenteil – er hat einfach nur die Augen verdreht und hat mich aus der Küche verbannt!

Verstehe einer die Männer …

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Ein Gedanke zu “Die Küche und Ich – Mein Eindringen in Feindesgebiet

  1. 😁 Bei uns hätte mein Mann diesen Text verfasst. Ich bin diejenige mit dem geheimen Einräumplan und muss auch immer erst mal umstellen, wenn jmd anderes eingeräumt hat. Ein innerer Zwang oder so…

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